Ich musste eingeschlafen sein, dachte ich mir. Wobei ich doch einmal in meinem Leben eine Nacht für mich hatte, in der ich einfach mal Nachdenken hätte können. Aber ich tat es nicht, schon Merkwürdig. Ich frage mich, ob andere 15-Jährige Mädchen auch so viel nachdenken wie ich? Ich kann es nicht beurteilen, ich kenne niemanden. Ich habe keine Freunde, ich gebe es zu. Ich habe mal gehört, als ich in der Stadt unterwegs war, das ein paar Jugendliche sich über jemanden lustig gemacht haben, aber nur zum spaß, und lachend immer wieder "du hast keine freunde alter" wiederholt hatten. Wie kann man darüber lachen, alleine zusein ist für mich teils wunderschön, aber manchmal auch schmerzhaft. Jedenfalls, beobachte ich wie die Sonne über Berlin aufgeht. Ich stehe auf, stelle mich an das Große Wohnzimmer Fenster. Ich kann so unglaublich weit schauen, ich kann genau erkennen wie sich der Horizont mit der Erde verbindet. Dunkele Wolken schieben sich über die blaue Himmels-decke, ich seufze weil ich mich ausnahmsweise mal auf gutes Wetter eingestellt hatte. Ich gehe ins Badezimmer, gucke in den Spiegel. Was ist das, das da im Spiegel, frage ich mich. Naja, ich will nicht zu viel meckern, ich bin leider so wie ich bin, und daran ändern kann ich auch nichts. Ich ziehe meinen kaputten Rock an, und mache mir Frühstück. Ich schmeisse mir ein altes Toast in den Toaster, und beschmiere es mit Butter. Es schmeckt scheusslich, was solls irgendwas muss ja in den Magen. Dann viel mir ein, mein Vater sei immer noch nicht zurück. Ich muss gestehen, ein wenig Sorgen machte ich mir jetzt schon, aber ich bin mir sicher, er ist einfach nur ein paar Tage untergetaucht, um mal wieder frischen ab zubekommen. Es fing an zu Regnen, sehr... Ich dachte an Gestern Abend, sowieso an Gestern. Meine Gedanken kamen nicht los, ich musste permanent an Sebastian denken. Noch nie hatte mir jemand gesagt, ich wäre "schön". Mein Vater, sagt mir immer die Warheit, so gemein es auch klingen mag. "Sowas habe ich doch nicht erzeugt" und noch viel mehr wirft er uns an unsere kleinen noch völlig ungebildeten Köpfe. Ich berreue es wieder, dass ich Sebastian nicht herreingelassen hatte. Es macht mich einfach wütend, dass ich immer und immer die falschen entscheidungen treffen muss! Ich werde jetzt nicht mehr an ihn denken. Sinnlos, völlig sinnlos. Ich werde jetzt meine Oma anrufen, und fragen wie es meinen Geschwistern ergeht. "Sie sind im Kindergarten, mach dir keine Sorgen, ihn geht es völlig gut" Sagte sie schnell als sie dran ging, und legte sofort wider auf. Merkwürdig. Ich werde ihr heute einfach eine freude machen, und sie vom Kindergarten abholen. Was mich erwartet, weiss ich nicht.

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