Mein Vater kann mittlerweile von selbst aufstehen, aber das auch erst seit ungefähr einem halben Monat. Er hat die Hölle durchgemacht, seit Mama fort ist. Er hat Drogen genommen, viel mehr getrunken als sonst. Bis er dann im Koma lag, drei ganze Wochen. "Zu viel Alkohol" sagte der Arzt, als ich nach ihm sehen war. Aber es war klar, das es so kommen würde, aber um ehrlich zu sein, es war mir egal. Es geschieht ihm recht, dass er mal leidet. Ich füge hinzu, AUCH mal leidet. Trotzdem, draus gelernt hat er nicht. Morgens bis Abends wird Alkohol getrunken, neulich hat er meinem kleinen Bruder schon versucht auf den Alkohol-Geschmack zu bringen. Doch zum Glück vergeblich. Wenn die kleinen aus der Wohnung sind, räume ich auf. Die Bierflaschen, die vielen Zigaretten-Schachteln, Die Müllsäcke ebenfalls. Wenn ich das erledigt habe, gehe ich einkaufen, bei dem kleinen verfallenen, mit Graffiti zugesprühtem Laden. Ein, denk ich mal Türkischer Verkäufer, gibt mir jeden Morgen das nötige, und das sogar nur zum Halben Preis. Jedesmal lächel ich ihn an, und er lächelt zurück. Ich weiß nichtmal wieso er so verdammt freundlich zu mir ist, muss ja irgendeinen Grund haben, aber letzendlich ist es mir auch egal. Hauptsache ich bekomme die Lebensmittel, billiger natürlich noch besser. Auf dem weg nach Hause, der nur schlappe 33 minuten dauert, begegne ich meist einem Jungen, dunkelbraun- mittellanges Haar. Ich habe mir vorgenommen ihn anzusprechen, doch vergeblich, jeden Morgen. Was er wohl von mir denkt, wenn ich mit Einkaufstüten bepackt, jeden verdammten Morgen an ihm vorbei laufe? Jedenfalls lächelt er. Und das jeden Morgen. Wenigstens eine Sache, die mir den Tag etwas versüßt.

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