Dienstag, 9. August 2011

Kapitel vier - Wie können wir uns da so sicher sein, das wir uns nicht schon eine Ewigkeit kennen?

Und wie ich meine entscheidung berreue. Ich bereue sie, so sehr. Es passiert mir viel zu oft, das ich die falschen wege einschlage. Naja, getan ist getan. Ich sitze zuhause auf dem gut 4 quadrat meter großen Balkon, und starre in die tiefe. Und ich weine, ich gebe es zu. Ich weine, weil ich weiß, ich hätte einen gewissen Menschen nicht einfach so stehen lassen sollen. Ich überlege. Sollte ich nochmal runter gehen, nach ihm schauen? Wird er noch da sein? Ich nehme mich zusammen, wisch mir die Tränen aus dem Gesicht, und stolpere die Treppen hinunter. Tatsächlich, gute hundert meter vor der Sport-Halle sitzt er. Auf der kleinen weißen Mauer, ebenfalls völlig zerstört. Es sieht so aus, als könnten noch zwei Personen sich darauf setzen, also tat ich es. Ich setzte mich einfach, einfach neben ihn. Erst zuckte sein Gesicht ein wenig, es sah fast schon komisch aus. Seine Augenbrauen       machen ein paar nervöse Bewegungen, dann schaute er mich endlich an. Es kam mir vor, wie eine halbe ewigkeit, naja, vielleicht doch wie eine ganze. Er schaute mich an, mit seinen großen Dunkel-grünen Augen. Sie waren Wunderschön. Doch ich war so nervös, ich konnte ihn nicht länger an sehen. Vielleicht, dachte er sich jetzt, weil ich mich von ihm wegdrehte, dass ich ein ziemlich unfreundlicher Mensch bin. Aber es ist mir egal, was andere von mir denken. Ich meine, was soll man schon von mir denken? Es würde nichtmals jemand merken, wäre ich nicht da. Okay. Eigentlich ist es mir nicht egal. Was denkt er bloß von mir? Es wird Zeit, seinen Namen zu erfahren. Ich sammel mich, nehme mir den Mut, und frage ihn einfach. Ich meine, ich muss ja wissen wie der jenige denn jetzt heißt, an den ich Tag und Nacht denken muss. "Ich heiße übrigens Sebastian. Auch Basti, vorrausgesetzt du möchtest. Und du bist? ..." Schoss es aus ihm, als ich grade fragen wollte. Aber ein bisschen froh, war ich darüber. "Ich heiße.. Äh.. ich bin Canel." sagte ich dann, mit leicht zitternder Stimme. Mir wird öfters gesagt, ich hätte eine zarte, leise stimme. Ob er das auch denkt? Dann lächelten wir uns an. Lange genug. Aber ich dachte mir, mein Vater ist verschwunden, ich könnte solange bei ihm bleiben, ohne am Ende eine saftige Ohrfeige zu bekommen. Wir schwiegen, und schwiegen. "Ich habe das Gefühl, ich würde dich kennen." Sagte ich, eigentlich ungewollt.
Er schaute mich kritisch an, "Wie meinst du das?" -"Na du kommst mir so unglaublich vertraut rüber. Du bist irgendwie anziehend für mich. Obwohl wir heute das erste mal reden. Wie können wir uns da so sicher sein, das wir uns nicht schon eine Ewigkeit kennen?" Sagte ich, und ich muss zugeben es muss sich sehr schlau angehört haben. Plötzlich stand er auf, und sagte "Ich muss jetzt ganz schnell weg.. Ähm, meiner Mutter helfen." Dann verschwand er. Ohne eine Umarmung, ohne irgendwas. Wann werden wir uns wieder sehen, fragte ich mich. Wann?


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